Romantik pur bieten das SWR Symphonieorchester und sein junger italienischer Gastdirigent Giuseppe Mengoli, Gewinner des 7. Mahler-Dirigenten-Wettbewerbs 2023. Solist ist der italienisch-slowenische Nachwuchsstar Alexander Gadjiev, 2021 Preisträger beim Warschauer Chopin-Wettbewerb.
Drei bedeutende Werke der Spätromantik stehen auf dem Programm. Auf die dramatische, groß besetzte Fantasie „Francesca da Rimini“ von Piotr Tschaikowsky, dessen literarische Vorlage aus Dantes Commedia Divina stammt, folgt das allzu selten gespielte Klavierkonzert fis-Moll op. 20 von Alexander Skrjabin, welches die große Bewunderung des jungen Komponisten für Frédéric Chopin widerspiegelt. Nach der Pause erklingt César Francks einzige Sinfonie, entstanden kurz vor seinem Tod 1897.
Triumph mit Skrjabin
SWR-SO & Alexander Gadjiev in Wiesloch
Von Klaus Roß
Ein ebenso opulentes wie originelles Spätromantik-Programm und zwei hochkarätige junge Gäste präsentierte das SWR-Symphonieorchester beim sechsten Saisonkonzert der Kunstfreunde Wiesloch im nahezu voll besetzten Palatin-Staufersaal. Der italienische Dirigent Giuseppe Mengoli und der italienisch-slowenische Chopin-Preisträger Alexander Gadjiev hatten für ihr gemeinsames SWR-Debüt mit Alexander Skrjabins frühem fis-moll-Klavierkonzert op. 20 einen allzu selten gespielten Solitär der Gattung ausgewählt.
In ihrer wunderbar organischen Aufführung wurden die beiden Anfangdreißiger und das bestens disponierte Orchester dem charakteristisch lyrischen, bisweilen fast improvisatorisch schweifenden Sehnsuchtston des zwischen Chopin und Rachmaninow pendelnden Jugendwerkes makellos gerecht. Neben den so leidenschaftlich wie feinsinnig gesteigerten Ecksätzen berührte besonders das an Gesangsinnigkeit und Farbdelikatesse (Klarinettensoli) kaum zu übertreffende Variationen-Andante. Die vehement erklatschten Debussy-Zugaben „Feux d’artifice“ und „Ondine“ zeigten den exzeptionell eleganten und geistvollen Klangzauberer Gadjiev nochmals ganz in seinem Element.
Eingangs hatte Mengoli das superb homogene und agile Orchester zu einer Paradedarbietung von Tschaikowskys ausladender „Francesca da Rimini“-Fantasie op. 32 inspiriert, deren dramatische und poetische Intensität wahrhaft elektrisierend wirkte. Satte Streicherfülle und reiches Bläserkolorit fanden perfekt zusammen. Mengolis besonderes Gespür für Komponist und Stück schien sich hier exemplarisch mitzuteilen. Diese Tschaikowsky-Ouvertüre jedenfalls bleibt durch ihre elementare Kraft im Gedächtnis.
Als enthusiastische Partner erlebte man Dirigent und SWR-Musiker erst recht in César Francks monumentaler später d-moll-Sinfonie, die nach einst deutlich stärkerer Präsenz längst auch zu den konzertanten Raritäten zählt. Der bei Werkvollendung 65-jährige Komponist demonstriert in dem französische wie deutsche Stileinflüsse verratenden Dreisätzer einmal mehr seine einzigartige Meisterschaft auf dem Gebiet thematischer Verarbeitungs- und Verwandlungskunst, getragen von sehr individuellem und immer noblem Pathos. Mengolis souveräner Zugriff sorgte bei aller Emphase für schönste Klarheit. Daher kam die expressive Vielgestaltigkeit der spannungsgeladenen Ecksätze (grandiose Blechbläser) ebenso plastisch heraus wie das zunächst vom Englischhorn exponierte seelenvolle Melos des durch duftige Scherzando-Motivik bereicherten Allegretto-Herzstückes.Der junge italienische Gastdirigent dürfte nicht mehr lange ein Geheimtipp bleiben. Großer Beifall für einen großen Orchesterabend.
Peter I. Tschaikowsky
Alexander Skrjabin
César Franck
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Konzertouvertüre Francesca da Rimini
Klavierkonzert fis-Moll op.20
Sinfonie
d-Moll FWV 48
Dinuk Wijeratne
Disappearance of Lisa Gherardini
(Auftragskomposition des Banff Centre)
Joseph Haydn
Streichquartett C-Dur op. 20/2
Arman Gushchyan (*1981)
Neues Werk für Streichquartett
Felix Mendelssohn
Streichquartett Es-Dur op. 44/3
Peter I. Tschaikowsky
Konzertouvertüre Francesca da Rimini op. 32
Alexander Skrjabin
Klavierkonzert fis-Moll op. 20
César Franck
Sinfonie d-Moll FWV 48
Romantik pur bieten das SWR Symphonieorchester und sein junger italienischer Gastdirigent Giuseppe Mengoli, Gewinner des 7. Mahler-Dirigenten-Wettbewerbs 2023. Solist ist der italienisch-slowenische Nachwuchsstar Alexander Gadjiev, 2021 Preisträger beim Warschauer Chopin-Wettbewerb.
Drei bedeutende Werke der Spätromantik stehen auf dem Programm. Auf die dramatische, groß besetzte Fantasie „Francesca da Rimini“ von Piotr Tschaikowsky, dessen literarische Vorlage aus Dantes Commedia Divina stammt, folgt das allzu selten gespielte Klavierkonzert fis-Moll op. 20 von Alexander Skrjabin, welches die große Bewunderung des jungen Komponisten für Frédéric Chopin widerspiegelt. Nach der Pause erklingt César Francks einzige Sinfonie, entstanden kurz vor seinem Tod 1897.
Triumph mit Skrjabin
SWR-SO & Alexander Gadjiev in Wiesloch
Von Klaus Roß
Ein ebenso opulentes wie originelles Spätromantik-Programm und zwei hochkarätige junge Gäste präsentierte das SWR-Symphonieorchester beim sechsten Saisonkonzert der Kunstfreunde Wiesloch im nahezu voll besetzten Palatin-Staufersaal. Der italienische Dirigent Giuseppe Mengoli und der italienisch-slowenische Chopin-Preisträger Alexander Gadjiev hatten für ihr gemeinsames SWR-Debüt mit Alexander Skrjabins frühem fis-moll-Klavierkonzert op. 20 einen allzu selten gespielten Solitär der Gattung ausgewählt.
In ihrer wunderbar organischen Aufführung wurden die beiden Anfangdreißiger und das bestens disponierte Orchester dem charakteristisch lyrischen, bisweilen fast improvisatorisch schweifenden Sehnsuchtston des zwischen Chopin und Rachmaninow pendelnden Jugendwerkes makellos gerecht. Neben den so leidenschaftlich wie feinsinnig gesteigerten Ecksätzen berührte besonders das an Gesangsinnigkeit und Farbdelikatesse (Klarinettensoli) kaum zu übertreffende Variationen-Andante. Die vehement erklatschten Debussy-Zugaben „Feux d’artifice“ und „Ondine“ zeigten den exzeptionell eleganten und geistvollen Klangzauberer Gadjiev nochmals ganz in seinem Element.
Eingangs hatte Mengoli das superb homogene und agile Orchester zu einer Paradedarbietung von Tschaikowskys ausladender „Francesca da Rimini“-Fantasie op. 32 inspiriert, deren dramatische und poetische Intensität wahrhaft elektrisierend wirkte. Satte Streicherfülle und reiches Bläserkolorit fanden perfekt zusammen. Mengolis besonderes Gespür für Komponist und Stück schien sich hier exemplarisch mitzuteilen. Diese Tschaikowsky-Ouvertüre jedenfalls bleibt durch ihre elementare Kraft im Gedächtnis.
Als enthusiastische Partner erlebte man Dirigent und SWR-Musiker erst recht in César Francks monumentaler später d-moll-Sinfonie, die nach einst deutlich stärkerer Präsenz längst auch zu den konzertanten Raritäten zählt. Der bei Werkvollendung 65-jährige Komponist demonstriert in dem französische wie deutsche Stileinflüsse verratenden Dreisätzer einmal mehr seine einzigartige Meisterschaft auf dem Gebiet thematischer Verarbeitungs- und Verwandlungskunst, getragen von sehr individuellem und immer noblem Pathos. Mengolis souveräner Zugriff sorgte bei aller Emphase für schönste Klarheit. Daher kam die expressive Vielgestaltigkeit der spannungsgeladenen Ecksätze (grandiose Blechbläser) ebenso plastisch heraus wie das zunächst vom Englischhorn exponierte seelenvolle Melos des durch duftige Scherzando-Motivik bereicherten Allegretto-Herzstückes.Der junge italienische Gastdirigent dürfte nicht mehr lange ein Geheimtipp bleiben. Großer Beifall für einen großen Orchesterabend.