Brahms Ensemble Berlin

Samstag | 14.12.2024 | 19 Uhr

€38 | 32 | 22

BRAHMS ENSEMBLE BERLIN

CLAIRE HUANGCI Klavier

Rachel Schmidt Violine

Raimar Orlovsky Violine

Julia Gartemann Viola

Christoph Igelbrink Violoncello


ÜBER DIE KÜNSTLER

Das Brahms Ensemble Berlin, das ausschließlich aus Streichern der Berliner Philharmoniker besteht, stellt das großartige Kammermusikrepertoire des Namensgebers in den Mittelpunkt seiner Programmkonzeption. Hierbei spielen nicht nur die Streicherwerke eine zentrale Rolle, sondern auch Werke mit Klavier oder das Klarinettenquintett. Darüber hinaus verbinden die Musikerinnen und Musiker die Musik Brahms mit Komponistennamen wie Wolfgang Amadé Mozart, Franz Schubert, Felix Mendelssohn-Bartoldy oder Robert Schumann. Das Ensemble ist jährlich in die Kammermusikkonzerte in der Berliner Philharmonie eingebunden und gastiert regelmäßig bei den Osterfestspielen der Berliner Philharmoniker in Baden-Baden. Gemeinsam mit der amerikanischen Tastenvirtuosin Claire Huangci widmen sie sich den zwei populären Klavierquintetten von Schumann und Brahms. Ergänzend dazu gibt es den ebenso singulären Streichquartettsatz D 703 von Schubert.

PROGRAMM

Johannes Brahms

Franz Schubert
Robert Schumann

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Klavierquintett f-Moll op. 34

Streichquartettsatz c-Moll D 703
Klavierquintett Es-Dur op. 44

Dinuk Wijeratne

Disappearance of Lisa Gherardini

(Auftragskomposition des Banff Centre)


Joseph Haydn

Streichquartett  C-Dur op. 20/2


Arman Gushchyan (*1981)

Neues Werk für Streichquartett


Felix Mendelssohn

Streichquartett Es-Dur op. 44/3

REZENSION

Brahms Ensemble Berlin mit der Pianistin Claire Huangci im Palatin Wiesloch 14.12.2024

von W. Theis



Die vier Musiker des Brahms Ensemble Berlin boten gemeinsam mit der amerikanischen Pianistin Claire Huangci dem Wieslocher Publikum am vergangenen Samstag im Palatin einen in dieser Dichte wirklich außergewöhnlichen Konzertabend, standen mit den Klavierquintetten von Robert Schumann und Johannes Brahms doch gleich zwei Monolithe der Kammermusikliteratur auf dem Programm. Dieser überragende Abend wurde komplettiert mit dem Quartettsatz c-Moll D 703 von Schubert.


Die Musik des Franz Schubert war in ihrer schlichten Gesanglichkeit, im oft naiven aber unmittelbaren Zugang zum Hörer und in ihren überraschenden Kontrasten Vorbild für die Komponisten der Romantik, besonders aber für Schumann und Brahms. So war es für das Publikum nicht nur ein klanglicher Ausgleich zwischen den beiden monumentalen Quintetten, sondern auch eine Erfahrung über die Ursprünge der romantischen Musik. Das Ensemble Berlin mit Rachel Schmidt und Raimar Orlovsky Violine, Julia Gartemann an der Viola und Christoph Igelbrink Violoncello präsentierten diesen Quartettsatz auch ergreifend und mit einer unaufdringlichen Schlichtheit, so dass die abrupten Stimmungswechsel Schuberts emotional sehr nahe gehen konnten. 


Eröffnet wurde der Abend allerdings mit dem Quintett f-Moll op. 34 von Johannes Brahms. Die fünf Musikerinnen und Musiker zeigten eindrucksvoll, dass ein gewaltiges Werk nicht zwangsläufig den Zuhörer überrollen muss, um ihn dann ratlos zurückzulassen. Schon die ersten Takt bewiesen das ausnehmend feinsinnige Spiel des Ensembles, die verhaltene Vorstellung des Hauptgedankens mündete nicht in ein übermäßiges Auftürmen der weitgriffigen Klavierakkorde. Eine gewisse Zurückhaltung, gepaart mit äußerst differenzierter Klanggestaltung, gaben Raum für weitere Entwicklung. Die große Virtuosität, mit der die Pianistin Claire Huangci den für Brahms typisch technisch und musikalisch so anspruchsvollen Klavierpart meisterte, riss das Publikum mit. Dabei war sie mal in der Rolle der Mitspielerin im Ensemble, aber auch immer wieder in solistischer Position zu hören, ein Rollentausch, der ihr perfekt gelang. Auch die anderen Ensemblemitglieder traten immer wieder auch solistisch in den Vordergrund; so Christoph Igelbrink mit seinem warmen, sonoren Cello-Ton, dem Brahms oft die nachdenklichen Überleitungen anvertraut hatte, oder beispielsweise im Hauptthema des letzten Satzes. Mit großer Präzision, aber auch immer mit musikalischer Wärme gestalteten Rachel Schmidt und Raimar Orlovsky den Violinpart an den klanglichen Höhepunkten des Werkes, besonders sollen hier die staccati-Themen des dritten Satzes Erwähnung finden. Julia Gartemann an der Viola konnte sich ebenfalls des Öfteren durch hervorgehobene Passagen, immer auf ein geschlossenes Klangbild bedacht, in Szene setzen. Mit einer in weitem Spannungsbogen großartig ausgeführten Coda, die in eine fast opernhafter Stretta mündet, ernteten die fünf Musiker viel Beifall.


Den Höhepunkt des zweiten Teils des Konzertabends bildete das Klavierquintett Es-Dur op. 44 von Robert Schumann. Finden sich beide Werke in der gleichen Gattung, so ist ihre Anlage - durch die Entstehung bedingt - doch deutlich verschieden. Während Brahms sein Werk zunächst als Streichquintett ausführte, danach als Sonate für zwei Klaviere umarbeitete und erst dann zur endgültigen Form des Klavierquintetts fand, komponierte Schumann sofort ein Werk für Streichquartett und Klavier, den Pianopart schrieb er für seine Frau Clara. Daraus resultieren häufigere Wechsel zwischen Klavier und Streichquartett, das Übergeben und Übernehmen der Phrasen stehen bei diesem Werk mehr im Vordergrund, als dies bei Brahms zuvor der Fall gewesen ist. Claire Huangci und das Ensemble Berlin gestalteten diese etwas andere Anlage allerdings mit einer organischen Souveränität, die Schumanns Klavierquintett wie aus einem Guss erscheinen ließ. Nach einem beeindruckenden und fast bedrückenden zweiten Satz konnte der interessierte Laie im Scherzo mitnehmen, dass es sich unbedingt lohnt Tonleitern zu üben. Mit einem zwar eingängigen, aber sehr komplexen Finalsatz fanden das Werk und dieser überragende Konzertabend sein Ende. Das begeisterte Publikum gab lang anhaltenden großen Beifall für die fünf Musiker und Musikerinnen, die verständlicherweise keine weitere Zugabe spielten.

PROGRAMM


Johannes Brahms

Klavierquintett f-Moll op. 34


Franz Schubert

Streichquartettsatz c-Moll D 703


Robert Schumann

Klavierquintett Es-Dur op. 44

  • ÜBER DIE KÜNSTLER:INNEN

    Das Brahms Ensemble Berlin, das ausschließlich aus Streichern der Berliner Philharmoniker besteht, stellt das großartige Kammermusikrepertoire des Namensgebers in den Mittelpunkt seiner Programmkonzeption. Hierbei spielen nicht nur die Streicherwerke eine zentrale Rolle, sondern auch Werke mit Klavier oder das Klarinettenquintett. Darüber hinaus verbinden die Musikerinnen und Musiker die Musik Brahms mit Komponistennamen wie Wolfgang Amadé Mozart, Franz Schubert, Felix Mendelssohn-Bartoldy oder Robert Schumann. Das Ensemble ist jährlich in die Kammermusikkonzerte in der Berliner Philharmonie eingebunden und gastiert regelmäßig bei den Osterfestspielen der Berliner Philharmoniker in Baden-Baden. Gemeinsam mit der amerikanischen Tastenvirtuosin Claire Huangci widmen sie sich den zwei populären Klavierquintetten von Schumann und Brahms. Ergänzend dazu gibt es den ebenso singulären Streichquartettsatz D 703 von Schubert.

  • REZENSION

    Brahms Ensemble Berlin mit der Pianistin Claire Huangci im Palatin Wiesloch 14.12.2024

    von W. Theis


    Die vier Musiker des Brahms Ensemble Berlin boten gemeinsam mit der amerikanischen Pianistin Claire Huangci dem Wieslocher Publikum am vergangenen Samstag im Palatin einen in dieser Dichte wirklich außergewöhnlichen Konzertabend, standen mit den Klavierquintetten von Robert Schumann und Johannes Brahms doch gleich zwei Monolithe der Kammermusikliteratur auf dem Programm. Dieser überragende Abend wurde komplettiert mit dem Quartettsatz c-Moll D 703 von Schubert.

    Die Musik des Franz Schubert war in ihrer schlichten Gesanglichkeit, im oft naiven aber unmittelbaren Zugang zum Hörer und in ihren überraschenden Kontrasten Vorbild für die Komponisten der Romantik, besonders aber für Schumann und Brahms. So war es für das Publikum nicht nur ein klanglicher Ausgleich zwischen den beiden monumentalen Quintetten, sondern auch eine Erfahrung über die Ursprünge der romantischen Musik. Das Ensemble Berlin mit Rachel Schmidt und Raimar Orlovsky Violine, Julia Gartemann an der Viola und Christoph Igelbrink Violoncello präsentierten diesen Quartettsatz auch ergreifend und mit einer unaufdringlichen Schlichtheit, so dass die abrupten Stimmungswechsel Schuberts emotional sehr nahe gehen konnten. 

    Eröffnet wurde der Abend allerdings mit dem Quintett f-Moll op. 34 von Johannes Brahms. Die fünf Musikerinnen und Musiker zeigten eindrucksvoll, dass ein gewaltiges Werk nicht zwangsläufig den Zuhörer überrollen muss, um ihn dann ratlos zurückzulassen. Schon die ersten Takt bewiesen das ausnehmend feinsinnige Spiel des Ensembles, die verhaltene Vorstellung des Hauptgedankens  mündete nicht in ein übermäßiges Auftürmen der weitgriffigen Klavierakkorde. Eine gewisse Zurückhaltung, gepaart mit äußerst differenzierter Klanggestaltung, gaben Raum für weitere Entwicklung. Die große Virtuosität, mit der die Pianistin Claire Huangci den für Brahms typisch technisch und musikalisch so anspruchsvollen Klavierpart meisterte, riss das Publikum mit. Dabei war sie mal in der Rolle der Mitspielerin im Ensemble, aber auch immer wieder in solistischer Position zu hören, ein Rollentausch, der ihr perfekt gelang. Auch die anderen Ensemblemitglieder traten immer wieder auch solistisch in den Vordergrund; so Christoph Igelbrink mit seinem warmen, sonoren Cello-Ton, dem Brahms oft die nachdenklichen Überleitungen anvertraut hatte, oder beispielsweise im Hauptthema des letzten Satzes. Mit großer Präzision, aber auch immer mit musikalischer Wärme gestalteten Rachel Schmidt und Raimar Orlovsky den Violinpart an den klanglichen Höhepunkten des Werkes, besonders sollen hier die staccati-Themen des dritten Satzes Erwähnung finden. Julia Gartemann an der Viola konnte sich ebenfalls des Öfteren durch hervorgehobene Passagen, immer auf ein geschlossenes Klangbild bedacht, in Szene setzen. Mit einer in weitem Spannungsbogen großartig ausgeführten Coda, die in eine fast opernhafter Stretta mündet, ernteten die fünf Musiker viel Beifall.

    Den Höhepunkt des zweiten Teils des Konzertabends bildete das Klavierquintett Es-Dur op. 44 von Robert Schumann. Finden sich beide Werke in der gleichen Gattung, so ist ihre Anlage - durch die Entstehung bedingt - doch deutlich verschieden. Während Brahms sein Werk zunächst als Streichquintett ausführte, danach als Sonate für zwei Klaviere umarbeitete und erst dann zur endgültigen Form des Klavierquintetts fand, komponierte Schumann sofort ein Werk für Streichquartett und Klavier, den Pianopart schrieb er für seine Frau Clara. Daraus resultieren häufigere Wechsel zwischen Klavier und Streichquartett, das Übergeben und Übernehmen der Phrasen stehen bei diesem Werk mehr im Vordergrund, als dies bei Brahms zuvor der Fall gewesen ist. Claire Huangci und das Ensemble Berlin gestalteten diese etwas andere Anlage allerdings mit einer organischen Souveränität, die Schumanns Klavierquintett wie aus einem Guss erscheinen ließ. Nach einem beeindruckenden und fast bedrückenden zweiten Satz konnte der interessierte Laie im Scherzo mitnehmen, dass es sich unbedingt lohnt Tonleitern zu üben. Mit einem zwar eingängigen, aber sehr komplexen Finalsatz fanden das Werk und dieser überragende Konzertabend sein Ende. Das begeisterte Publikum gab lang anhaltenden großen Beifall für die fünf Musiker und Musikerinnen, die verständlicherweise keine weitere Zugabe spielten.

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